Donnerstag, 04 April 2024 10:38

Exponat des Monats April 2024

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Exponat des Monats April 2024 Waltraud Klinkhardt

Postaufbewahrungsbehälter und Vase für Trockenblumen

Von Bernd Klinkhardt

Das Team vom Regionalmuseum freut sich über zwei Neuzugänge. Frau Christa Smouse aus Istha hat dem Regionalmuseum zwei Bastelarbeiten ihrer Großmutter Marie Christine Jakob (1896-1971) übereignet.

Es handelt sich um einen taschenartigen und einen pyramidenförmigen Behälter, die während des 1. Weltkrieges entstanden sind. Als Material dienten der jungen Christine Jakob zeitgenössische Feldpostkarten, Quittungen und Briefe. Die „Tasche“ diente zur Aufbewahrung von Postkarten und Briefen. Der pyramidenförmige Behälter war als Vase für Trockenblumen gedacht. Ein Brief und zwei Feldpostkarten von Verehrern von Christine Jakob sind noch erhalten.

Jeweils zwei Postkarten (9 x 14 cm) hat die Hobbykünstlerin Rücken an Rücken mit feinem roten Faden zusammen genäht. Um eine gewisse Plastizität zu erreichen, nutzte die junge Frau gefaltete Briefe, Postkarten und Quittungen als Füllmaterial zwischen den Postkarten. Sichtbar waren nun jeweils die Ansichten. Bei dem Postaufbewahrungsbehälter bilden zwei Flächen von 28 x18 cm jeweils aus vier doppelseitigen Postkarten die Vor- und Rückseite der Tasche. Unten wurden sie zusammengenäht. An den Seiten wurde ein spitzwinkliges Foto-Dreieck eingenäht, so dass an den oberen Längsseiten eine Taschenöffnung entstand. Der obere Rand ist mit einer stärkeren roten Kordel verziert. An die Taschenrückseite nähte Christine Jacob zusätzlich fünf plastisch wirkende Kartengebilde. Zwei von ihnen bilden die untere Reihe. Über ihnen sind drei oben abgerundete Postkartenteile angenäht. An dem mittleren Teil ist oben eine Extrakordel als Aufhänger an der Wand oder an der Decke angebracht.

Die meist farbigen Postkarten zeigen verschieden Motive: Stadtansichten – Dörfer- zentrale Gebäude oder Plätze einer Stadt, nur drei Kriegsszenen. Wenige Postkarten sind betitelt: Kassel - Dortmund – Göttingen - Kaiserslautern. Eine Postkarte zeigt die Hauptstadt von Litauen: Vilna ( Vilnius = litauisch). Eine andere eine Ehrentafel mit Angaben zu wichtigen Gefechten und Schlachten eines Regiments während des Krieges in Polen. Eine seltene Postkarte zeigt die Ansicht von Niederelsungen mit dem Kaufhaus von Abraham Möllerich – Verwandter der bekannten Wolfhager Kaufmannsfamilie Möllerich.
Die drei oberen abgerundeten Postkartenteile und auch die zwei  Seitenteile verweisen auf bedeutsame Themen für die Bastlerin: Der Gegensatz von Krieg und Frieden, die Verabschiedung des in den Krieg ziehenden Ehemanns /Familienvaters und die Liebe zwischen Frau und Mann.
Leider ist der Erhaltungszustand des Postaufbewahrungsbehälters nicht gut, sind doch viele Nahtstellen und auch einige Fotoansichten sehr schadhaft. Dennoch lässt sich die Funktionalität der künstlerisch und mit viel Liebe gestalteten Bastelarbeit klar erkennen und damit auch die Wertschätzung der Postkarten. Diese sind noch heute die zahlenmäßig häufigsten Erinnerungszeichen an den ersten Weltkrieg. 256 Verlage waren damals allein mit der Herstellung von Postkarten mit unterschiedlichen Motiven beschäftigt. Die streng zensierte Feldpost war die einzige Verbindung zwischen den an der Front stehenden Soldaten und den Angehörigen in der Heimat. In Briefen und Karten erhielten beide Seiten ein sehnlichst erwartetes Lebenszeichen.

Nach dem gleichen Bastelprinzip ist von Christine Jakob ein pyramidenförmiger Behälter, H 17 cm / Grundfläche 6,5 x 6,5 cm zur Aufbewahrung von getrockneten Strohblumen hergestellt worden. Den oben offen gehaltenen Abschluss bilden vier abgerundete Postkartenteile mit der Ansicht vom Kasseler Bergpark. Die vier Seitenflächen des Behälters bestehen aus einem gleichen Postkartenmotiv mit dem damals bereits seit 1848 bekanntesten nationalen Liedtext: „Die Wacht am Rhein“. Die Unterseite zeigt einen beschrifteten Postkartenteil: Gefangene Russen auf dem Marktplatz in Kolono  (Polen).  
 
 

Gelesen 410 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 04 April 2024 10:47

Veranstaltungen

 

--Veranstaltungen 2024--

28. Mai, 18 Uhr Eröffnung

Sonderausstellung bis 09. Juni

Die Walter-Lübcke-Schule zu Gast im Regionalmuseum Wolfhager Land

Ausstellung von Schülerarbeiten, Wahlunterricht Kunst Klasse 10 der Walter-Lübcke-Schule und der Abiturklasse 13 mit Karin Balkenhol

 

 

Donnerstag, 25. April, 18 Uhr Ausstellungseröffnung

bis Sonntag, 21. Juli

Ausstellung

Magie und Aberglaube im Mittelalter mit regionalem Schwerpunkt

Musikalische Begleitung: Korydwenn

  

Sonntag, 19. Mai, 14-17 Uhr

 

Familientag

Internationaler Museumstag

14 Uhr: Mittelalterlicher Bogenbau mit Michael Stiller, Ippinghausen 

16 Uhr: Barbara Rüffert erzählt Märchen

Selbstgebackener Kuchen, Kaffee und gekühlte Getränke und gute Laune

Eintritt frei!

 

Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr

Vortrag / Lesung / Gespräch - Himmel hilf!

Vortrag: Dr. Tillmann Bendikowski, Hamburg: Himmel hilf! Warum wir Halt in übernatürlichen Kräften suchen

(gemeinsam mit der Buchhandlung Mander)

Eintritt 5 Euro, SchülerInnen und Studierende frei

  

Donnerstag, 12. September, 19 Uhr

Vortrag - Die große Welt im kleinen Format

Prof. Dr. Sabine Thümmler, Berlin: Die große Welt im kleinen Format. Möbelstile in Wolfhager Puppenstuben zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit.

Eintritt 3 Euro, Mitglieder des Museumsvereins, SchülerInnen und Studierende frei

 

Sonntag, 6. Oktober, 15 Uhr-16.30 Uhr

Musik

Mittelalterliche Musik mit Korydwenn, Ippinghausen

Einritt frei, Spenden erbeten!

 

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Sonntag, 10. März, 15 Uhr 

Erzählcafé

Zum Thema: Magie und Aberglaube im Wolfhager Land

Eintritt frei!

 

Samstag, 27. April, 19 Uhr

Autorenlesung

Detlef Günter Thiel präsentiert sein Buch "Hans Staden - Seine Seele - Meine Seele".

Eintritt frei!

 

 
Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.
 
Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.