Donnerstag, 09 Februar 2023 11:37

Exponat des Monats Februar 2023

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Reich verzierte Gegenstände eines Resevisten, der in Wolfhagen seinen Dienst abgeleistet hatte. Reich verzierte Gegenstände eines Resevisten, der in Wolfhagen seinen Dienst abgeleistet hatte. Waltraut Klinkhardt

Reserve hat Ruh‘     

von Bernd Klinkhardt

Das Regionalmuseum bewahrt in seinem Magazin drei kuriose Museumsexponate auf. Es handelt sich um selbstgebastelte Requisiten, wie sie Wehrpflichtige der Bundeswehr in den 50er und 60er Jahren nach Beendigung ihres 12-monatigen- ab 1962 - 18-monatigen Wehrdienstes nach dem Verlassen der Kaserne auf dem Heimweg oft mit sich führten.

Meist in Gruppen kehrten die Reservisten per Bahn oder Bus in ihre Heimatorte zurück und brachten dabei öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck, dass sie endlich wieder in das zivile Berufs-und Privatleben zurückkehren konnten. Die Requisiten sind 2012 von einem Kasseler Bürger dem Regionalmuseum übereignet worden. Sie gehörten einst dem Kasseler Gefreiten H. H., der 1963/65 seinen Wehrdienst in der Panzerjägerkompanie 50 in Wolfhagen ableistet hatten.
Ein kleiner Reservistenkoffer (40x 28 cm) ist beklebt mit Karikaturen, Aufschriften und Zeitungswitzen, die an eindrucksvollen Beispielen das raue Kasernenleben und den zum Teil wiederauflebenden Kommissgeist sowie engstirnigen Drill der Wehrmachtstradition in der Bundeswehr verspotten. Stolz brüstet man sich, sogar Disziplinarstrafen wegen Überschreitung der Ausgangszeit auf sich genommen zu haben. Der verzierte Spazierstock (90 cm)mit Klingelknopf und Knauf ermöglicht es dem Reservisten gestenreich und lautstark, ihm begegnenden Personen auf sich aufmerksam zu machen. Auch der Strohhut, liebevoll beklebt mit ironischen Sprüchen, Originalabzeichen der Bundeswehr, mit einer aufgesetzten kleinen Figur sowie mit Unterschriften der einstigen Kameraden signalisiert, dass man froh ist, den Wehrdienst endlich hinter sich gelassen zu haben.
Die Unbeliebtheit der Wehrpflicht und die Frustration über den häufig als „Gammeldienst“ empfundenen Militärdienst zeigte sich auch noch lange nach den Anfangsjahren der Wehrpflicht in solchen ritualisierten Bräuchen nach Beendigung des Wehrdienstes.
Mancher ältere Leser, der selbst einst Wehrpflichtiger war, wird sich vielleicht erinnern, dass sich trotz moderner zeitgemäßer Menschenführung im Sinne des „Bürgers in Uniform“, die Tradition der Wehrmacht gelegentlich verhängnisvoll auswirkte. Der berüchtigte „Maskenball“ (rascher Wechsel der Uniformen) und die Schikanen beim „Stubenappell“ vor dem freien Wochenende, bei dem z. B. bloß ein Staubkorn auf der Heizung oder ein angeblich unsauberer Zahnbecherboden den Freizeitbeginn am Wochenende um Stunden verzögerte, in schwereren Fällen sogar eine absolute Ausgangssperre mit sich bringen konnte. Nicht zu vergessen ist auch die gelegentliche Verhöhnung von Offizieren und Unterführern, die ihre mangelnde Qualifikation mit brüllenden „Schleifermethoden“ im Stil der einstigen Wehrmacht überspielten.
Im Regionalmuseum werden nur wenige militärische Objekte der neuzeitlichen Geschichte gezeigt. Sie beziehen sich auf den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und das Deutsche Kaiserreich 1871-1918. In dieser Minimierung des Militärischen im Museum spiegelt sich auch die seit Gründung der Bundesrepublik geschichtlich bedingte fest verankerte gesamtgesellschaftliche „Kultur der militärischen Zurückhaltung“ wider.

Weitere Informationen:  Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.


Gelesen 1413 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 09 Februar 2023 11:41

Veranstaltungen

 

--Veranstaltungen 2024--

28. Mai, 18 Uhr Eröffnung

Sonderausstellung bis 09. Juni

Die Walter-Lübcke-Schule zu Gast im Regionalmuseum Wolfhager Land

Ausstellung von Schülerarbeiten, Wahlunterricht Kunst Klasse 10 der Walter-Lübcke-Schule und der Abiturklasse 13 mit Karin Balkenhol

 

 

Donnerstag, 25. April, 18 Uhr Ausstellungseröffnung

bis Sonntag, 21. Juli

Ausstellung

Magie und Aberglaube im Mittelalter mit regionalem Schwerpunkt

Musikalische Begleitung: Korydwenn

  

Sonntag, 19. Mai, 14-17 Uhr

 

Familientag

Internationaler Museumstag

14 Uhr: Mittelalterlicher Bogenbau mit Michael Stiller, Ippinghausen 

16 Uhr: Barbara Rüffert erzählt Märchen

Selbstgebackener Kuchen, Kaffee und gekühlte Getränke und gute Laune

Eintritt frei!

 

Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr

Vortrag / Lesung / Gespräch - Himmel hilf!

Vortrag: Dr. Tillmann Bendikowski, Hamburg: Himmel hilf! Warum wir Halt in übernatürlichen Kräften suchen

(gemeinsam mit der Buchhandlung Mander)

Eintritt 5 Euro, SchülerInnen und Studierende frei

  

Donnerstag, 12. September, 19 Uhr

Vortrag - Die große Welt im kleinen Format

Prof. Dr. Sabine Thümmler, Berlin: Die große Welt im kleinen Format. Möbelstile in Wolfhager Puppenstuben zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit.

Eintritt 3 Euro, Mitglieder des Museumsvereins, SchülerInnen und Studierende frei

 

Sonntag, 6. Oktober, 15 Uhr-16.30 Uhr

Musik

Mittelalterliche Musik mit Korydwenn, Ippinghausen

Einritt frei, Spenden erbeten!

 

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Sonntag, 10. März, 15 Uhr 

Erzählcafé

Zum Thema: Magie und Aberglaube im Wolfhager Land

Eintritt frei!

 

Samstag, 27. April, 19 Uhr

Autorenlesung

Detlef Günter Thiel präsentiert sein Buch "Hans Staden - Seine Seele - Meine Seele".

Eintritt frei!

 

 
Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.
 
Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.