Dienstag, 30 Oktober 2012 14:01

Legalisierter Raub

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Legalisierter Raub Legalisierter Raub

Die Ausstellung „Legalisierter Raub“

Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945

kommt nach Wolfhagen

„Legalisierter Raub“ beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Sie zeigt, wie das »Deutsche Reich« durch die Reichsfluchtsteuer, zahl­reiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug sowohl an denen verdiente, die in die Emigration getrieben wurden, wie an jenen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es über­all zu öffentlich angekündigten Auktionen aus »jüdischem Besitz«: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

 

 

Regionaler Schwerpunkt

Wie an jedem ihrer bisherigen Standorte wurde die Ausstellung auch für die Prä­sentation in Wolfhagen mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Er beschäftigt sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in der Region und erzählt unter anderem vom Schicksal der Familie Kron:

Salomon Kron, geboren am 9. November 1869, stammte aus einer in Wolfhagen alt eingesessenen, wohlhabenden Familie. Gemeinsam mit seiner Frau Emma und den beiden Kindern Theodor und Charlotte lebte er in einem mehrstöckigen Fachwerkhaus in der Mittelstraße 26, in dem das Ehepaar auch sein Manufaktur­warengeschäft betrieb.

In den zehner und zwanziger Jahren trafen die Familie schwere Schicksals­schläge: Die Tochter Charlotte starb mit 11, Ehefrau Emma mit 48 Jahren.

Nach der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten gelang Sohn Theodor, der in Wolfhagen und Arolsen zur Schule gegangen war, in Würzburg Medizin studiert und in Kassel als HNO-Arzt praktiziert hatte, im Sommer 1938 die Emigra­tion in die USA. Salomon Kron blieb allein in Wolfhagen zurück. Nach der Pogromnacht 1938 war er gezwungen, sein Haus und seinen Grundbesitz zu verkaufen. Den Verkaufserlös erhielt er nicht: Er war, wie zu dieser Zeit bereits üblich, „auf ein Sperrkonto bei der Devisenbank einzuzahlen, über das nur mit Genehmigung der zuständigen Devisenstelle verfügt werden“ durfte.

Salomon Kron zog nach Kassel. Auch er wollte auswandern, doch am 11. April 1941 wurde er im Arbeitserziehungslager Breitenau inhaftiert. Trotz seines hohen Alters und einer Herzschwäche wurde er zu Arbeitseinsätzen in der Landwirt­schaft herangezogen. Er starb wenige Monate später in Breitenau am 21.6.1941.

Sind in Ihrer Familie Gegenstände überliefert, die jüdische Familien vor der Aus­wanderung oder Deportation ihren Nachbarn zur Aufbewahrung übergeben haben? Besitzen Sie Briefe, Fotografien oder andere Zeugnisse, die von ehe­maligen jüdischen Nachbarn erzählen? Wurden in Ihrer Familie Gegenstände vererbt, die auf öffentlichen Versteigerungen so genannten „nicht arischen Besitzes“ erworben wurden?

Dann sprechen Sie uns bitte an:

Beate Bickel
Bernd Klinkhardt
Regionalmuseum Wolfhager Land
Ritterstr. 1
34466 Wolfhagen
Tel.: 05692-992431
E-Mail: info@regionalmuseum-wolfhager-land
 
 
Dekan Dr. Gernot Gerlach
Evangelischer Kirchenkreis Wolfhagen
Kirchplatz 4
34466 Wolfhagen
Tel.: 05692 / 996630
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
 
Arbeitskreis Rückblende - Gegen das Vergessen e.V.
1. Vorsitzender Ernst Klein
Benfelder Straße 21
34471 Volkmarsen
Tel.: 05693 / 9914990
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
 
 
Gottfried Kößler, Fritz Bauer Institut: Tel.: (0)69 - 79 83 22 - 32
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Dr. Bettina Leder-Hindemith, Hessischer Rundfunk: Tel. 069 / 1554038
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Auf Wunsch werden die Gespräche vertraulich behandelt.

Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks im Regionalmuseum Wolfhager Land von Donnerstag, 17. Januar bis Sonntag, 7. April 2013

Die Ausstellung wird eröffnet am 16. Januar 2013 um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Wolfhagen, Hans-Staden-Straße 24

 

Gelesen 5711 mal Letzte Änderung am Sonntag, 27 Januar 2013 12:19

Veranstaltungen

Jahresprogramm 2018

Soweit nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen in der Zehntscheune des Regionalmuseums statt.

Donnerstag, 1.März, 19.30 Uhr
Vortrag: Anne Harmssen, Kassel, Leiterin der Restaurierungswerkstätten der Museumslandschaft Hessen Kassel: Die Kunst, Kunst zu erhalten
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Donnerstag, 22. März, 19.30 Uhr
Musikalisch-literarische Revue: Jochem Wolff, Dr. Klaus-Peter Lorenz, Julia Reingardt: Von der Stunde Null zum Wirtschaftswunder
8 €

Donnerstag, 19. April, 19.30 Uhr
Vortrag: Prof. Dr. Sabine Thümmler, Berlin: Design-Ikonen auf den documenta-Ausstellungen
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Mittwoch, 25. April, 19.30 Uhr Vernissage
26. April bis 24. Juni
Sonderausstellung: Malerei von Wolfram Aust, Kassel

Sonntag, 13. Mai, Internationaler Museumstag
14-16 Uhr „Ein Tag für die Kunst“. Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt… mit Finktastico: Anfertigung von Sandbildern.
16-17 Uhr Vortrag: Lippold von Steimker: Bildende Kunst in Wolfhagen, bildende Kunst aus Wolfhagen, Teil 1.
Eintritt frei!

Mittwoch, 6. Juni, 19.30 Uhr
Vortrag: Tasso Minkner, Naumburg: Bildende Kunst in Wolfhagen, bildende Kunst aus Wolfhagen, Teil 2
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei


Mittwoch, 15. August, 19.30 Uhr Vernissage
16. August bis Sonntag 14. Oktober
Ausstellungseröffnung: Zwei Künstler aus dem Wolfhager Land: Jochen Haase und Tasso Minkner, Naumburg

Freitag, 31. August, 19.30 Uhr
Vortrag: Herbert Ruland: Die Menschen im Grenzland und der Große Krieg. Eröffnungsvortrag Friedenswochen (bis 23. September) des ev. Kirchenkreises + Kooperationspartner in der Wilhelm-Filchner-Schule

Mittwoch, 26. September, 19.30 Uhr
Vortrag: Bernhard Balkenhol, Kassel: Was kann moderne Kunst leisten?
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Mittwoch, 14. November, 19.30 Uhr
Vortrag: Arne Pillardy, Wolfhagen: Heimat
Im Sitzungssaal des Alten Rathauses, Kirchplatz
Eintritt frei!